Offene Antifa Recklinghausen http://oar.blogsport.de Thu, 04 Nov 2010 18:15:12 +0000 http://wordpress.org/?v=1.5.1.2 en 9.11. – DU – Kein Vergeben, kein Vergessen http://oar.blogsport.de/2010/11/04/9-11-du-kein-vergeben-kein-vergessen/ http://oar.blogsport.de/2010/11/04/9-11-du-kein-vergeben-kein-vergessen/#comments Thu, 04 Nov 2010 18:12:43 +0000 Administrator Werbung Veranstaltungen http://oar.blogsport.de/2010/11/04/9-11-du-kein-vergeben-kein-vergessen/ Antifaschistische Kundgebung
im Gedenken an die Pogromnacht vom 9. November 1938
Dienstag, 9.11.201017.00 Uhr – Mahnmal an der alten Stadtmauer (Rabbiner-Neumark-Weg) – Duisburg

In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 ereigneten sich im gesamten deutschen Reichsgebiet massive Gewaltexzesse und Sachbeschädigungen gegenüber jüdischen BürgerInnen und ihrem privaten und öffentlichen Besitz wie Geschäften und Synagogen. So wurde auch in Duisburg die Synagoge in der Innenstadt niedergebrannt, ebenso die Synagogen in den Stadtteilen Ruhrort und Hamborn. Auch wenn dies in den längst gleichgeschalteten deutschen Medien so dargestellt wurde, handelte es sich nicht um eine spontane Erhebung eines wie auch immer gearteten ‚deutschen Volkszorns‘, sondern um eine abgestimmte Aktion unter Anführerschaft der nationalsozialistischen Schlägertruppen, der SA. Am Abend des 10. November – die Zerstörungswut des deutschen Mobs fand am Folgetag in vielen Städten und Gemeinden noch lange nicht ihr Ende – konnte man im ganzen Reich eine grausame Bilanz ziehen: Hunderte Geschäftsräume, Friedhöfe und Synagogen waren verwüstet, zerstört oder in Brand gesetzt, Menschen auf offener Straße verprügelt oder gar getötet worden.

Diese Ereignisse markierten eine massive Radikalisierung der antijüdischen Politik des NS-Regimes: Bis dato hatte das NS-Regime den deutschen JüdInnen vor allem auf legalistischem Wege die Partizipation am öffentlichen Leben Schritt für Schritt unmöglich gemacht: Zunächst mit weitreichenden Berufsverboten und dem Ausschluss aus Bildungsanstalten wie den Universitäten, später dann mit den ‘Nürnberger Rassegesetzen’, die so genannte “Mischehen” zwischen JüdInnen und NichtjüdInnen verboten. Im Vorlauf des Jahres 1938 war es zudem zu den so genannten “Arisierungsmaßnahmen” gekommen, hinter denen sich nichts anderes als die radikale Enteignung vor allem mittelständischer jüdischer UnternehmerInnen verbarg. Der völkische Antisemitismus, längst zur offiziellen NS-Staatsräson geworden, wurde in der Folge der Pogromnacht in seinen Erscheinungsformen immer gewalttätiger und kulminierte letztlich in dem Versuch, alle JüdInnen Europas gezielt und umfassend zu ermorden, in der Shoah.

In den Ereignissen vom 9./10. November zeigte sich aber noch Einiges mehr: Nicht nur, dass der Nationalsozialismus und seine SachwalterInnen auf allen Ebenen bereit und willig waren, ihre politischen Pläne notfalls mit Gewalt durchzusetzen, die Administration konnte sich vielerorts auch auf die tatkräftige Unterstützung der Bevölkerung verlassen: Gerade in den Gewaltexzessen der Reichspogromnacht griff eben nicht nur die SA, sondern auch der ‚ganz normale Deutsche‘ zum Stein, um die Geschäfte jüdischer NachbarInnen einzuwerfen. Die umfassende Durchführung der Zerstörungsmaßnahmen ließ dabei bereits jene deutsche Gründlichkeit erahnen, mit der der Mord an den europäischen JüdInnen in der Folge ins Werk gesetzt wurde: An vielen Orten zogen sich die Verwüstungen über Stunden hinweg und endeten erst dann, wenn buchstäblich auch noch der letzte Wertgegenstand in jüdischen Wohnungen zerschlagen und jedes Möbelstück unbrauchbar gemacht worden war.

Die von den Nazis aufgrund der Menge an zu Bruch gegangenen Fensterscheiben zur ‚Reichskristallnacht‘ stilisierten Vorgänge hatten demnach einen Doppelcharakter: Einerseits wurde den jüdischen MitbürgerInnen klar gemacht, dass sie in der noch zu formenden deutschen Volksgemeinschaft keinen Platz mehr finden würden, andererseits hatte man anhand dieser Ereignisse einen Gradmesser bezüglich der Frage, inwiefern zügellose Gewalt von der breiten Masse der Bevölkerung toleriert oder gar befürwortet wurde. Vielerorts richtete sich die Empörung der Deutschen nämlich, wenn überhaupt, nur gegen die scheinbar sinnlose Zerstörungswut ihrer VolksgenossInnen, vereinzelt wurde gar der Ruf laut, man hätte die zerstörten Sachwerte doch besser umverteilen sollen, statt sie dem Feuer zu übergeben. Der Testballon, den die Führungsspitze hatte steigen lassen, um zu prüfen, wie derartige gewaltförmige Exzesse in der Öffentlichkeit rezipiert würden, hatte durchweg positive Ergebnisse gezeitigt; denn es gab kaum nennenswerten Widerstand in der Restbevölkerung, zumindest nicht, solange sich derlei Maßnahmen gegen JüdInnen richteten. In der Folge kam es, vor allem in deutschen Großstädten, zu einer eklatanten Zunahme an Fällen von Suizid in der jüdischen Bevölkerung: Die Aussichts- und Ausweglosigkeit der eigenen Lage erschien vielen Menschen derart bedrückend, dass ihnen kaum eine andere Wahl zu blieben schien. Eine auch nur annähernd adäquate Einschätzung der Opferzahlen erscheint bis heute unmöglich, auch deshalb, weil im Anschluss das Morden in den Konzentrationslagern weiterging.
In der gegenwärtigen Bundesrepublik wird die Erinnerung an die Ereignisse vom November 1938 durchaus gepflegt: In beinahe jeder größeren deutschen Stadt gibt es am 9. November Gedenkveranstaltungen, organisiert von kirchlichen und/oder städtischen Organisationen, nicht zuletzt auch immer wieder unter Einbeziehung der örtlichen jüdischen Gemeinden. Eine umfassende Beschäftigung mit der jeder Stadt eigenen Lokalgeschichte intensivierte sich erst im Zuge der 1990er Jahre, als ein Großteil der damals federführenden Schlägertrupps schon längst verstorben war. Zuvor hatte eine Mischung aus Desinteresse und Verschwiegenheit beinahe jedes Gedenken, das über den bloßen ereignisgeschichtlichen Zugang hinausging, verhindert.

Heute scheint sich dies geändert zu haben: In vielen deutschen Städten sind Erinnerungstafeln, ‚Stolpersteine‘ und Gedenkstätten errichtet worden, um gegen das Vergessen und Nicht-Erinnern anzukämpfen. Schulklassen werden durch das Stelenfeld in Berlin oder die NS-Dokumentationsstätten in ihren Heimatstädten geführt, im Schulunterricht wird in verschiedenen Fächern und zu verschiedenen Anlässen die Thematik Nationalsozialismus behandelt. Es lässt sich festhalten: Die Erinnerung an die Shoah und alle Ereignisse, die ihr vorausgingen, sind ein fester Bestandteil bundesdeutscher Erinnerungspolitik, bisweilen ist sogar vom “Holocaust als negativem Grüdungsmythos der Bundesrepublik” die Rede, ein Gründungsmythos, der schonmal für die nachgerade Legitimation von bundesdeutschen Angriffskriegen dienen kann.

Was diese staatliche Erinnerungspolitik jedoch weder leisten kann, noch will, ist eine profilierte Ideologiekritik: Über die Inhalte der NS-Ideologie, die spezifische historische Genese des Antisemitismus und auch den Rassismus, der beinahe die gesamte deutsche Gesellschaft erfasste, wird geschwiegen. Derartige Diskussionen werden zwar im akademischen Rahmen an Universitäten und auf HistorikerInnentagungen geführt, aber eine Vermittlung der dort gesammelten Erkenntnisse, etwa über den korporativen Charakter des Nationalsozialismus, über das Wesen der Volksgemeinschaft, über das Verständnis dessen, was ein deutscher und nationaler Sozialismus bedeutete, über die mindestens schweigende, meistens jedoch begeistert zustimmende Massenbasis, derer sich die politischen Entscheidungsträger bei jeder noch so menschenverachtenden Gesetzesänderung sicher sein konnten, findet nicht statt. Stattdessen wird vielerorts noch immer ein Bild einer Gesellschaft vermittelt, in der eine kleine, machtbesessene und letzten Endes psychopathische Elite – Hitler, Goebbels, Göring und einige ihrer Adjutanten sowie die Mörderschwadrone der SS, in denen niemand gewesen sein will – eine große, berauschte, dennoch aber unschuldige Masse von Menschen quasi schlaftrunken in den Untergang führte. Derlei Pathologisierungen führen die Erinnerungspolitik ebenso notwendiger- wie stringenterweise auf das Abstellgleis der Geschichte: Erinnerung, so stellte Eike Geisel vor fast zwanzig Jahren schon fest, ist in Deutschland nicht mehr und nicht weniger als die höchste Form des Vergessens.

Dass es zur Umsetzung der NS-Diskriminierungs- und später: Vernichtungspolitik aber nicht nur amoralischer Handlanger und Gehilfen bedurfte, sondern Menschen, die ihre Entscheidungen aus bestem Wissen und Gewissen trafen und ihr Treiben mit minutiöser Genauigkeit ins Werk setzten, spielt in der Vermittlung keine Rolle. Viel zu sehr ist man damit beschäftigt, die Vorgänge zu entpersonalisieren und externalisiert allzu schreckliche Vorgänge zum Werk von Menschen, die keine Spuren in der Gesellschaft zu hinterlassen haben scheinen: Kaum ein Deutscher glaubt, in der eigenen Familie habe es so etwas wie “waschechte” Nazis gegeben, immer waren es die anderen.
Wir wollen, 72 Jahre nach den Ereignissen dieser Novembernacht, den Fokus der Betrachtung zumindest ein wenig zu verschieben versuchen: Weg von einer bloßen Erwähnung der Ereignisse hin zu einer Kontextualisierung ins Zeitgeschehen. Wir wollen uns der Frage widmen, welche Ideologie(n) innerhalb einer Gesellschaft der breiten Zustimmung bedürfen, damit derartige Vorgänge ohne nennenswerte Proteste und Unmutsäußerungen geschehen können, und wir wollen uns auch der Frage widmen, inwiefern einzelne Versatzstücke der damals in der deutschen Bevölkerung verbreiteten Geisteshaltungen noch immer in den Köpfen vieler MitbürgerInnen vorhanden sind.

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29.09. – DO – Antifademo „Keine Rückzugsräume für rechte Mörder“ http://oar.blogsport.de/2010/09/27/29-09-do-antifademo-keine-rueckzugsraeume-fuer-rechte-moerder/ http://oar.blogsport.de/2010/09/27/29-09-do-antifademo-keine-rueckzugsraeume-fuer-rechte-moerder/#comments Mon, 27 Sep 2010 16:51:01 +0000 Administrator Allgemein http://oar.blogsport.de/2010/09/27/29-09-do-antifademo-keine-rueckzugsraeume-fuer-rechte-moerder/ Dortmund: Rechter Mörder aus Haft entlassen

Am 28.03.2005 erstach der damals 17-jährige Nazi-Skin Sven Kahlin in einer belebten Dortmunder U-Bahnstation den 32-jährigen Punk Thomas “Schmuddel” Schulz, weil dieser Kahlins rechte Parolen nicht unkommentiert stehen lassen wollte. Der Täter wurde daraufhin wegen Totschlags zu einer Haftstrafe von sieben Jahren verurteilt. Demnach sollte seine Haft bis März 2012 andauern. Wie nun bekannt wurde, ist der rechte Mörder Kahlin am Donnerstag aus der Justizvollzugsanstalt Werl entlassen worden. Antifaschist_innen rufen deshalb zu einer Demo auf, die an dem “Nationalen Zentrum”, einem von Neonazis in Dorstfeld angemieteten Lagerraum, vorbeiziehen soll. Dort findet jeden Mittwoch das “Kameradschaftstreffen” statt, an dem nun aller Voraussicht nach auch der rechte Mörder Kahlin teilnehmen wird. Dortmunder Antifaschist_innen wollen ihn gebührend empfangen und ihm verdeutlichen, dass seine Tat nicht vergessen ist und er von nun an verstärkt im Visier antifaschistischer Intervention stehen wird.

Kommt zur antifaschistischen Demo:
29.09.2010 (Mittwoch) | 18.00 Uhr | Kampstraße Ecke Katharinenstraße

In Gedenken an Thomas Schulz:
Kein Vergessen den Opfern neonazistischer Gewalt!
Keine Rückzugsräume für rechte Mörder!

HINTERGRUND

Der Nazi-Mord. Wir erinnern uns:

Am frühen Abend des Ostermontags 2005 traf der damals 17-jährige Neonazi-Skin Sven Kahlin mit seiner Freundin an der U-Bahn-Station Kampstraße in der Dortmunder City auf eine Gruppe Punks. Einer von ihnen, „Schmuddel“, wollte die rechten Sprüche Kahlins nicht unkommentiert lassen und folgte den beiden alleine in die U-Bahn-Station. Es kam zum Streit. Der Neonazi zog plötzlich ein Messer und stach fünfmal auf sein Opfer ein. Ein Stich traf „Schmuddel“ ins Herz. Der Mörder flüchtete, konnte aber kurz darauf verhaftet werden. „Schmuddel“ verstarb auf dem Weg ins Krankenhaus. Am darauf folgenden Samstag demonstrierten 4000 Antifaschst_innen aus Wut und Trauer über die Tat und in dem Wissen, dass nur eine entschlossene antifaschistische Gegenwehr der Bedrohung durch die Neonazis Einhalt gebieten kann. Seitdem gedenken jedes Jahr mehrere Hundert Antifaschist_innen Thomas und allen anderen Opfern rechter Gewalt.

Kahlin “ungebrochen” oder: die ideologische Kontinuität

Es besteht kein Zweifel daran, dass Sven Kahlin nach wie vor seiner nationalsozialistischen Gesinnung treu geblieben ist. So pflegt er auch weiterhin freundschaftlichen und vor allem politischen Kontakt zu seinen “Kameraden”. Ende Juni 2007 zogen rund 100 Neonazis unter dem Motto “Gesinnungsparagraphen abschaffen! – Freiheit für alle nationalen politischen Gefangenen!” an der Herforder Jugendvollzugsanstalt vorbei. Hier saßen zu diesem Zeitpunkt neben dem Dortmunder Nazi Christoph Drewer auch Sven Kahlin ein. Vor Ort wurde ein Grußwort von Kahlin verlesen in dem es heißt: „Kameradinnen und Kameraden, die heute hier erschienen sind um zu zeigen, dass es immer noch Menschen gibt die stolz auf ihre Herkunft sind und dies mit Leib und Seele vertreten, auch wenn wir dafür tagtäglich gejagt, inhaftiert und durch den Dreck gezogen werden.“ Er schloss seine Rede mit “aufrechten und kameradschaftlichem Gruß aus der JVA Herford”. Kahlin wurde dann zuletzt in die JVA Werl verlegt. Dort wurde er auch weiterhin von der “Hilfsorganisation für nationale politische Gefangene und deren Angehörige” (HNG) betreut. In einem Selbstportrait beim extrem rechten “JVA-Report” gab Kahlin dann an, dass er “auch an weitere[n] Kontakte[n] zu aufrechten Kameradinnen und Kameraden interessiert” sei und dass man ihn “nicht umerziehen” könne. Noch 2009 ließ er über seine Freunde aus dem rechten Spektrum bei einer Neonazi-Kundgebung verlautbaren, dass man die “nationale Bewegung nicht stoppen” könne und konstatierte selbstbewusst aus der Gefängniszelle: “Fakt ist: Dortmund ist und bleibt unsere Stadt!”. Innerhalb der Dortmunder Neonaziszene wurde die Nachricht von seiner vorzeitigen Entlassung natürlich positiv rezipiert. Es ist daher davon auszugehen, dass Kahlin bei ihrer nächsten Zusammenkunft anwesend sein wird.

Kein Vergeben – Kein Vergessen!

Als anlässlich der Urteilsverkündung vom 17. November 2005 rund 80 autonome Antifaschist_innen und Freund_innen von Thomas auf die Straße gingen, machten sie deutlich: “Wir fordern keine härteren Strafen für Neonazis, sondern protestieren gegen die Entpolitisierung der Tat und fordern eine öffentliche Auseinandersetzung. Es kann nicht sein, dass die tatsächlichen und potentiell Betroffenen neonazistischer Gewalt mit diesem Problem alleine gelassen werden.” Um ihrer Wut und Trauer Ausdruck zu verleihen zogen die Antifas in einer spontanen und lautstarken Demonstration durch die Dortmunder Innenstadt. Wenn der heute 22-jährige Sven Kahlin nach rund 5 1/2 Jahren vorzeitig entlassen wird, nehmen wir dies zum Anlass, die Öffentlichkeit erneut auf diesen Nazi-Mord hinzuweisen. Trotz der Haftstrafe werden wir Kahlin – wie auch alle anderen Dortmunder Neonazis – im Auge behalten und ihre Taten nicht in Vergessenheit geraten lassen.

Kommt zur antifaschistischen Demo:
29.09.2010 (Mittwoch) | 18.00 Uhr | Kampstraße Ecke Katharinenstraße


In Gedenken an Thomas Schulz:
Kein Vergessen den Opfern neonazistischer Gewalt!
Keine Rückzugsräume für rechte Mörder!

Orga: Flugblatt zur Demo | Ticker: WEB: http://identi.ca/s4ticker / WAP: http://ticker.nadir.org | EA: Nummer gibt’s erst auf der Demo

In eigener Sache:

  • Die antifaschistische Demonstration wird uns vorbei am Nazi-Zentrum an der Rheinischen Straße zunächst Richtung Dorstfeld führen. Später führt die Demonstration zurück in die Innenstadt. Auf geeigneten Schutz vor „Anti-Antifa-Fotograf_innen“ ist nicht zuletzt auch wegen dem Outing-Kalender der Dortmunder Neonazis (selbst) zu achten.
  • Aus diesem Grund weisen wir an dieser Stelle nochmals ausdrücklich darauf hin, dass nur ausgewiesene oder uns bekannte Journalist_innen mit Pressebinden Film- und Fotoaufnahmen unserer Demonstration machen werden. Die Pressebinden gibt es nach einer kurzen Akkreditierung vor der Demo am Lautsprecherwagen. Alle anderen DemonstrationsteilnehmerInnen bitten wir das Fotografieren zu unterlassen. Wir möchten es damit zum einen Neonazis erschweren, Aufnahmen von den DemonstrantInnen anzufertigen und zum anderen verhindern, dass unvorsichtigerweise hinterher unverpixelte Bilder im Netz landen.
  • Wir sammeln uns ab 18 Uhr oberhalb der Katharinentreppe an der Katharinenstraße Ecke Kampstraße und wollen dann pünktlich um 18.30 Uhr losgehen, um rechtzeitig am Nazi-Zentrum anzukommen. Wir empfehlen deshalb die Regionalexpresse RE11 Richtung Düsseldorf und RE1 Richtung Hamm, die jeweils um 18.18 Uhr bzw. 18.15 Uhr am Dortmunder Hauptbahnhof eintreffen. Von da aus schafft ihr es dann zu Fuß und ohne Verspätung bis zur Auftaktkundgebung an der Kampstraße.

Weiterführende Links

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Alles kopiert von hier.

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Antiamerikanismus, Antizionismus und verkürzte Kapitalismuskritik angreifen! Den „Antikriegstag“ sabotieren! http://oar.blogsport.de/2010/09/27/antiamerikanismus-antizionismus-und-verkuerzte-kapitalismuskritik-angreifen-den-antikriegstag-sabotieren-2/ http://oar.blogsport.de/2010/09/27/antiamerikanismus-antizionismus-und-verkuerzte-kapitalismuskritik-angreifen-den-antikriegstag-sabotieren-2/#comments Mon, 27 Sep 2010 14:37:45 +0000 Administrator Allgemein http://oar.blogsport.de/2010/09/27/antiamerikanismus-antizionismus-und-verkuerzte-kapitalismuskritik-angreifen-den-antikriegstag-sabotieren-2/ Es ist ein Trauerspiel. Am 4.September wollen sich Neonazis aus dem gesamten Bundesgebiet und darüber hinaus in Dortmund versammeln, um „gegen Krieg und Kapitalismus“ zu demonstrieren. Auch in diesem Jahr wird es zahlreiche Gegenaktionen geben, vom bürgerlichen bis zum linksradikalen Spektrum, vom Würstchenstand bis zur Straßenblockade ist einiges angekündigt. Sieht man von den mehr und minder praktikablen bzw. erfolgversprechenden Aktionsformen einmal ab, findet man in den bisher kursierenden Aufrufen vor allem eines: Abwesenheit einer Auseinandersetzung mit der Ideologie der Neonazis und mangelnde Reflektion der bestehenden Verhältnisse, obwohl gerade dies bitter nötig wäre.

Es ist kein Zufall, dass sich Neonazis Themen aussuchen mit denen sie ohne große inhaltliche Einbußen an den Konsens der deutschen Gesellschaft anknüpfen können – sie kehren damit vielmehr zu ihrem Ursprung zurück. Im diesjährigen Aufruf wenden sich die Neonazis auf den ersten Blick nicht plump gegen die USA und Israel, sondern meinen „das wahre Gesicht der westlichen Verwertungsmaschine“ erkannt zu haben, deren „Machtelite“ „sich auf den Kosten der Völker und des Lebens eine goldene Nase verdienen“ würde. Dabei ist offensichtlich, dass mit „westlicher Verwertungsmaschine“ die Personifizierung eines „liberalkapitalistische[n] Wirtschaftssystems“ gemeint ist: die USA. Mit der antisemitischen Phrase von der „goldene[n] Nase“ und der „Machtelite“ verweisen sie in guter deutscher Tradition ideologisch auf ihr „Antivolk“, Jüdinnen und Juden, deren Staat Israel als Feind „souveräne[r] Volksstaaten“ aufgestellt wird.
Weder das Gerede vom „deutschen Volk“, welches vor einer jüdisch und amerikanisch identifizierten „Eskalation“ des Kapitalismus („Heuschrecken-Debatte“) geschützt werden muss und den Individuen Einpassung, Unterordnung und Opfer abverlangt, noch das ständige Front machen gegen die USA und insbesondere Israel sind exklusive Domänen der extremen Rechten: sie gehören zum alltäglichen deutschen Diskurs. Mit ihren Feindbildern USA und Israel können sich die „Autonomen Nationalisten“ sicher sein: die mag hier ohnehin kaum jemand. Die mediale Aufmerksamkeit und die Hartnäckigkeit des öffentlichen Diskurses gegenüber militärischen Auseinandersetzungen, in welche USA und Israel verwickelt sind, belegen genau das. Andere Krisenherde der Welt sind bestenfalls am Rande von Events der Rede wert. So war es beispielsweise im Juli 2010 nur die Fußball WM, die die Lage des afrikanischen Kontinents für die Mehrheitsbevölkerung interessant machte.

“America is just a word but I use it.”
(Fugazi – Stacks – Steady Diet of Nothing – Dischord 1991)

Dass in Deutschland Massenproteste gerade dann möglich werden, wenn die USA beteiligt sind (zuletzt gegen den Irakkrieg 2003), und ausbleiben wenn Sozialabbau betrieben wird oder Deutschland gegen Jugoslawien Krieg führt, ist kaum Zufall. Angefangen von einer als vulgär und traditionslos, kommerziell oder unauthentisch verschrieenen „amerikanischen Kultur“ über die Charakterisierung des politischen Systems der USA als undemokratisch bis hin zum Vorwurf der ungezügelten kapitalistischen Vergesellschaftung, dient Nordamerika dem europäischen Festland als Projektionsfläche einer anderen, schlechteren Moderne. An das sich moralisch und diplomatisch stilisierende Europa stellen die USA als angeblich grobe, nur an wirtschaftlichem Vorteil interessierte Hegemonialmacht ständig die Aufgabe geeint als Gegengewicht für Frieden und Gerechtigkeit aufzutreten. An diesem Verhältnis konnte auch Barak Obamas anfänglich bejubelte Wahl zum Präsidenten letztendlich wenig ändern. Zudem werden militärische Interventionen mit einem Maß gemessen, das schon vor dem Anlegen auf ein „amerikanisches Desaster“ geeicht ist – unabhängig davon, dass die in religiös oder nationalistisch begründeten Konflikten und Kriegen auftretende Gewalt meist wesentlich mehr Menschenleben fordert.
Als einfaches Welterklärungsmodell, in dem die USA als Aspirant der Weltherrschaft und wesentlicher Protagonist des globalisierten, militärischen Kapitalismus erscheinen, ist der Antiamerikanismus populärer denn je.

Während sich die deutsche Gesellschaft durch eine Europäisierung der Shoah als nationaler Schöpfungsmythos einerseits entlastet sieht, versteht sie sich gleichzeitig durch eine angeblich gelungene „Aufarbeitung“ der nationalsozialistischen Verbrechen gerade dazu legitimiert, selbst Krieg zu führen – die USA hingegen haben keinen Zivilisationsbruch auf ihrer Seite, um sich ähnlich universell abzusichern. Die Wirksamkeit dieser Wendung der Geschichte haben die „Autonomen Nationalisten“ angesichts ihrer ideologischen Nähe zum historischen Nationalsozialismus nicht begriffen. Sie wettern gegen „Schuldkult und die Lüge über deutsche Verbrechen während des 2. Weltkrieges“, anstatt sie, wie ihre bürgerlichen Pendanten, zu relativieren und als „bewältigt“ nur dem Bedarf entsprechend anzuführen.

Im Gewand des Antizionismus

Auch im Falle Israels sind die Neonazis in ihrer Ideologie nicht so weit vom gesellschaftlichen Mainstream entfernt, wie die Extremismusforschung einstweilen glauben machen will. Die generellen Verurteilungen jeglicher israelischer Militäraktionen, die auch ohne klare Informationslage von Junge Welt bis SZ aus den Kommentarspalten bricht, unterscheiden sich nur wenig vom Kurs der deutschen Politik, die im gleichen Atemzug Israels Sicherheit zur Staatsräson erhebt, in dem die Mittel zur Wahrung dieser Sicherheit abgesprochen werden.
Auch wenn anders als in den eliminatorischen Träumen der Neonazis der Staat Israel durch stetige Kritik und Ablehnung immer mehr diskreditiert wird, bleibt die Konsequenz ähnlich: Wenn Israel sich nicht verteidigen würde, stünde es einer Übermacht aus potentiell feindlichen Armeen des Umlandes und den von diesen geförderten terroristischen Organisationen gegenüber.
Beim Thema „Israel“ werden Stereotype bedient, welche sich als Reproduktion klassischer antisemitischer Ressentiments darstellen: Israel wird als übermächtiger Staat angesehen, der den Weltfrieden gefährdet und jederzeit auf territoriale Erweiterung sinnt. Ebenso wie für AntisemitInnen jegliches Charakteristikum eines von ihnen als jüdisch identifizierten Menschen nur immer neues Material für ihre Projektion liefert, wird jede Handlung des Staates Israel gegen ihn gewendet. Als Weiterführung der Schlussstrichdebatte und der moralischen Reinwaschung Deutschlands werden NS-Vergleiche bemüht und Israel als Hort eines neuen Faschismus imaginiert.

Das Volk ist Opium für’s Volk

Wenn die „Autonomen Nationalisten“ in ihrem Aufruf mit dem Wohl halluzinierter „Völker als wesenhafte[n] Gemeinschaften“ argumentieren, das vor einem „wesensfremde[n] Menschenbild des Liberalismus“ und einem „liberalkapitalistische[n] Wirtschaftssystem“ verteidigt werden muss, fühlt man sich zu recht an die postnazistische deutsche Zivilgesellschaft und deren Begeisterung für die „soziale Marktwirtschaft“, die verhandelnden Einheitsgewerkschaften und den allseits hoch geschätzten Sozialpakt erinnert. Wenn in den Debatten um Kürzungen der staatlichen Sozialleistungen der individuelle Verzicht für das Gemeinwohl auftaucht oder die Deutschen anlässlich von Sportereignissen ihre kollektive Liebe zur Nation auf die Straße bringen, zeigt sich, dass die Neonazis in radikalisierter Form konsequent zu Ende denken, was der Rest ihrer Gesellschaft bereits vorlebt. Diese Überschneidungen zwischen Ideologie der Neonazis und Idealen des gesellschaftlichen Konsens sind für Debatten in Deutschland charakteristisch: sie wurzeln in den Überresten des historischen Nationalsozialismus und bedingen Argumentationsmuster, die auf eine Versöhnung der inhärenten Widersprüche kapitalistischer Produktionsweise zielen. Dazu gehören beispielsweise das nicht einlösbare Versprechen der bürgerlichen Ideale von „Freiheit und Gleichheit“ ohne kapitalistische oder völkische Überformung und die Aufhebung des schon rein materiell unauflösbaren Klassenantagonismus.

Durch ihre Erdung in einem biologisierenden und völkischen Weltbild mag die radikale Rechte vom gesellschaftlichen Konsens noch entfernt sein. Der rassistische Normalzustand, der nicht zuletzt den ökonomischen Interessen des deutschen Kapitals dient, welches billige wie hochqualifizierte Arbeitskräfte braucht, aber nicht bekommt, lässt jedoch auch hier tief blicken. Es drängt sich der Verdacht auf, dass die „Aufarbeitung“ der NS-Zeit durch Schulunterricht, Medien und wissenschaftliche Publikationen vor allem eines ist: die Fortsetzung einer halbherzigen und gescheiterten Reeducation, die Auferstehung der deutschen Nation in „geläuterter“ Form. Die deutschen Zustände sind in ihrer historischen Spezifität und aktuellen Erscheinungsform nur als Folge des gewaltsam, von Außen gestoppten Wahns von der Volksgemeinschaft zu verstehen und nur als solche adäquat zu bekämpfen.

“They don’t call him ‘Columbine’ because he wears a trench coat..”

Was sich im Antiamerikanismus und Antizionismus Ausdruck verschafft und durch die hoffungsvollen Verweise bei den Bürgern auf eine entschärfte „soziale“ Alternative zum Kapitalismus und als Forderung der mörderischen Volksgemeinschaft bei den Neonazis widerspiegelt, ist zweierlei. Zum einen das Missverständnis den Kapitalismus nicht als Totalität, in der es keine Herrschenden gibt, sondern als durch einzelne Personengruppen oder Staaten instrumentalisiertes Gebilde zu begreifen. Zum anderen eine zur Analyse des Kapitalismus unfähige Kritik des selben, die sich an den Objekten der Personalisierungen zu entladen droht.

Im Kapitalismus muss jedeR Einzelne seine/ihre Bedürfnisse durch Tausch von Gebrauchsgegenständen befriedigen. Die Menschen produzieren isoliert voneinander Dinge, die Gebrauchsgegenstände für andere sein sollen, um dadurch selbst an Gebrauchsgegenstände zu kommen. Im Austausch werden alle Dinge notwendig auf ein Drittes reduziert, welches das Austauschverhältnis festlegt: den Wert. Die Grundlage dieser Abstraktion ist die Menge Arbeitszeit, die üblicherweise auf einen Gegenstand verwand werden muss, um ihn zu beschaffen. Damit ist der Wert bestimmt durch die Arbeitszeit, die gesellschaftlich notwendig ist, um die Rohstoffe für ihn aufzutreiben, ihn zu produzieren, zu den VerbraucherInnen zu bringen, usw. Nur so lässt sich die kapitalistische Produktion überhaupt denken. Die Beziehungen der Menschen zueinander sind nur über die Beziehungen der Gegenstände geregelt, nicht etwa durch Absprachen oder einen gemeinsamen Plan. Dass dies so funktioniert, ist ein von den Menschen hervorgebrachtes Faktum, kein natürliches. Denn die Produktion von Gebrauchsgegenständen und auch das Verteilen dieser ließe sich anders und besser regeln und wurde historisch auch schon anders – wenn auch nicht zwangsläufig besser – bewerkstelligt.

Dass den Dingen nun aber Wert zukommt, also etwas, dass von den Menschen meist unbewusst nur durch eine Abstraktion in sie hineingelegt wird, ist zwar unter den bestehenden Verhältnissen Faktum, kann jedoch weder als natürliche Notwendigkeit angesehen werden, noch ließe sich der Wert in den Gegenständen ausfindig machen, ist er doch nur soziale Konstruktion.
Die Dinge verselbstständigen sich gegenüber den Menschen, sie bestimmen deren Leben und deren Verhalten. JedeR ist gezwungen, sich in den Austausch einzubringen, um die eigenen Bedürfnisse zu befriedigen. Für diejenigen, die keine Produktionsmittel zur Verfügung haben, bleibt nur die eigene Arbeitskraft als ihnen gehörende Ware zum Verkauf übrig. Diejenigen, welche Produktionsmittel besitzen, stehen in Konkurrenz zueinander und müssen durch immer ausgereiftere und günstigere Produktion gegeneinander bestehen. Die in abstrakte Herrschaft gesetzten kapitalistischen Zwänge sind also für alle spürbar, erscheinen aber als natürlich und obskur. Das Verständnis dieser Verselbstständigung als eine den Dingen notwendig, als Natur zukommende Eigenschaft – und die sich dadurch folgerichtig entfaltende spezifische Strukturierung der Gesellschaft – nennt Karl Marx Fetisch.

Die hier skizzierten Phänomene setzten sich auf allen Ebenen der Gesellschaft fort – sie werden undurchsichtiger, komplexer und ausgefeilter und bestimmen das Leben der Menschen, ohne, dass diese direkten Einfluss auf sie nehmen können. Da Ware, Wert, Arbeit, Staat als Kategorien des Kapitalismus miteinander untrennbar verzahnt sind, ergibt eine Kritik an einzelnen Erscheinungsformen – wie den Banken oder den Finanzmärkten – genauso wenig Sinn wie die Behauptung, dass die Produktionssphäre ohne die Zirkulationssphäre existieren könnte.

“..they call him ‘Columbine’ because he kills people.”
(The Now – s/t – Robotic Empire 2003)

Dem Alltagsverständnis verschließen sich diese Tatsachen. Vielmehr stehen die der kapitalistischen Produktionsweise unterworfenen Menschen vor dem Paradoxon, dass in den Waren stoffliche nützliche Gegenstände mit einer abstrakten gesellschaftlichen Kategorie in eines fallen. In der bürgerlichen Gesellschaft neigen die vereinzelten Subjekte dazu, durch den Anschluss an etwas größeres – zumeist vorgestellte Gemeinschaften wie Volk, Nation und Religionsgemeinschaften – die eigene Ohnmacht gegenüber den Verhältnissen überwinden zu wollen. Ideologien, welche auf die Konkurrenz der WarenverkäuferInnen zugeschnitten sind, werden verstärkt angenommen – so kann Rassismus beispielsweise auch als Versuch des Ausschlusses von potentiellen KonkurentInnen gelesen werden. Die abstrakte und scheinbar übermächtige Seite des Kapitalismus wird mit Personengruppen gleichgesetzt, die ideologisch und traditionell schon immer ausgegrenzt waren – Jüdinnen und Juden, Sinti und Roma. Während Jüdinnen und Juden eine „Weltverschwörung“ gegen die „schaffende Arbeit“ zugeschrieben wird, in der sie den Kapitalismus kontrollierten oder zumindest übermäßig großen Einfluss auf dessen Verlauf nehmen würden, wird Sinti und Roma als „ZigeunerInnen“ ein „zersetzender Einfluss“ zugeschrieben. Dieser Einfluss rührt angeblich daher, dass sie sich nicht „zivilisieren“ lassen würden und so das nationale Projekt nicht durch Arbeit vorantrieben, sondern es vielmehr durch Diebstahl schädigten. Die Wendung des Stereotyps in einem romatisierten „Zigeunerleben“ in der (Kinderbuch-)Literatur zeigt anschaulich, dass diese Stereotype auch in der Mehrheitsgesellschaft Anklang finden und weit verbreitet sind.
Sowohl dem Antisemitismus, wie auch dem Antiziganismus ist gemeinsam, dass sie genau das wiedergeben, was dem bürgerlichen Subjekt versagt bleiben muss – weder kann es gegen den Kapitalismus angehen, noch dessen (gesellschaftlichen) Zwängen entgehen.

Die Spitze der Auswüchse des geheimnisvollen Charakters der Ware macht der Rückschritt aus der bürgerlichen Gesellschaft in die Barbarei klar. Der Nationalsozialismus beabsichtigte als eine „antikapitalistische“ Bewegung die negative Überwindung der Klassengesellschaft. Durch die andauernde Vernichtung derer, die im Wahn mit den Mechanismen des Kapitalismus gleichgesetzt wurden und als die Volksgemeinschaft zersetzende Elemente ausgemacht wurden, setzte sie sich als Mordkollektiv in Existenz. Die Vernichtung war so der eigentlicher Zweck der Bewegung, Vernichtung um der Vernichtung willen. Deshalb konnten die Räder der nationalsozialistischen Maschinerie nie stehen bleiben, keine Störung konnte zugelassen werden. Auf das Gleiche steuern die „Autonomen Nationalisten“ mit ihrer völkischen und biologistischen Argumentation hin, auch wenn sie es nur zu gerne leugnen. Antisemitismus und Antiziganismus, die aus dem kapitalistischen Normalzustand geschöpft sind und zur bürgerlichen Gesellschaft gehören wie die heilige Familie, zielen auch in diese Richtung.

“Scratch the surface..”

Antifaschismus muss, will er als solcher ernst zunehmen sein, bei den Ideologien ansetzten, welche die bestehende Gesellschaft ausmachen und zusammenhalten. Dazu gehört auch, den Ursprung und die Reproduktion von Ideologie durch die kapitalistische Produktionsweise zu begreifen und auf eine Vertiefung einer kritischen Theorie der Gesellschaft hinzuwirken. Antifaschismus muss sich daher maßgeblich antifetischistisch und antiidelogisch betätigen, also kommunistische Gesellschaftskritik betreiben und auf eine Aufhebung der bestehenden Gesellschaft hinwirken.

“..don’t waste my time!”
(Sick of it all – Scratch the Surface – Eastwest 1994)

Das bedeutet nicht, dass praktischer Aktivismus gegen neonazistische und faschistische Strukturen überflüssig wäre. Selbstverständlich muss den radikalen Feinden jeglicher emanzipatorischer und individualistischer Bestrebungen, welche auch eine ernsthafte Gefahr für alle darstellen, die nicht in ihr Weltbild passen, Einhalt geboten werden. Will antifaschistische Kritik sich aber nicht zum Statthalter des nationalen Mythos von der gelungenen Reeducation, von Läuterung und Aufarbeitung machen, muss sie sich von den bürgerlichen Protesten, die auf die Wahrung des guten Rufes und der ungestörten Kontinuität des Tagesgeschäfts abzielen, durch ihre konsequente Kritik absetzen.
Anders als ’33 steht heute kein neues Reich in den Startlöchern gegen das es Zweckallianzen zu schmieden gälte. Eine konsequente und radikale Gesellschaftskritik darf sich erst recht nicht auf diesem Wege entpolarisieren lassen. Vielmehr muss sie die Brechstange bei den inhärenten Widersprüchen der bürgerlichen Gesellschaft ansetzen.

Kein Friede mit den Feinden der Emanzipation!
Für die freie Assoziation freier Individuen!

Unterstützt die Aktionen des S4-Bündnis!

PS. Das ganze gibt es hier auch nochmal als PDF

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http://oar.blogsport.de/2010/09/27/antiamerikanismus-antizionismus-und-verkuerzte-kapitalismuskritik-angreifen-den-antikriegstag-sabotieren-2/feed/
23.08. – Mobiveranstaltung für Dortmund http://oar.blogsport.de/2010/08/17/23-08-mobiveranstaltung-fuer-dortmund/ http://oar.blogsport.de/2010/08/17/23-08-mobiveranstaltung-fuer-dortmund/#comments Tue, 17 Aug 2010 11:31:12 +0000 Administrator Werbung Veranstaltungen http://oar.blogsport.de/2010/08/17/23-08-mobiveranstaltung-fuer-dortmund/ Am kommenden Montag, den 23. August, wird ab 19:00 Uhr eine Mobilisierungsveranstaltung des Dortmunder S4-Bündnisses im AKZ stattfinden.
Im Rahmen ihrer Mobilisierungstour werden hierbei ReferentInnen des Bündnisses Ursprünge, Strukturen und AkteurInnen der Dortmunder extremen Rechten vorstellen, sowie über die geplanten Gegenaktivitäten informieren.

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11.-15.8. Oberhausen // Antifacamp http://oar.blogsport.de/2010/07/15/11-15-8-oberhausen-antifacamp/ http://oar.blogsport.de/2010/07/15/11-15-8-oberhausen-antifacamp/#comments Thu, 15 Jul 2010 12:16:28 +0000 Administrator Werbung Veranstaltungen http://oar.blogsport.de/2010/07/15/11-15-8-oberhausen-antifacamp/ Sommer, Sonne, Antifa

18 Veranstaltungen, vier Tagesseminare, vier Abendveranstaltungen,

auch im 10. Jahr bietet das Antifacamp in Oberhausen reichlich Bildung und Reflexion.

Natürlich kommt auch der Spaß nicht zu kurz: vegane Verköstigung, Partys und ein abwechslungsreiches Kultur- und Sportprogramm runden das Camp ab.

Für 20,- Euro gibt es einen Schlafplatz, Vollverpflegung und Wasser satt, sowie ermäßigten oder kostenlosen Eintritt zu den Partys.

antifacamp.de

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4.9. Dortmund // Antikriegstag http://oar.blogsport.de/2010/07/15/4-9-dortmund-antikriegstag/ http://oar.blogsport.de/2010/07/15/4-9-dortmund-antikriegstag/#comments Thu, 15 Jul 2010 12:00:50 +0000 Administrator Werbung Veranstaltungen http://oar.blogsport.de/2010/07/15/4-9-dortmund-antikriegstag/ Auf zu neuen Taten!

Ein verdrehter Antikriegstag

Für den 4. September 2010 mobilisieren die Dortmunder Neonazis erneut europaweit zum so genannten „Nationalen Antikriegstag”. Die seit 2005 jährlich stattfindende Demonstration ist für die extreme Rechte ein günstiger Anlass, um unter dem Deckmantel des „Pazifismus“ ihren Rassismus, Antisemitismus und Antiamerikanismus zu propagieren. Vom Geschichtsrevisionismus gar nicht zu sprechen: Die Neonazis leugnen bis heute konsequent die historische Tatsache, dass mit dem Angriffskrieg der deutschen Nationalsozialist_innen gegen Polen der Zweite Weltkrieg begann.
Der Gedenktag am 1. September erinnert eigentlich an den Überfall Deutschlands auf Polen. Mit diesem Angriff wurde der 1. September 1939 zum Beginn des deutschen Vernichtungskrieges. Der „Antikriegstag“ ging dann aus einer Gewerkschaftsinitiative 1957 hervor, die gerade mit Blick auf die Wiederbewaffnung Deutschlands unter dem Motto „Nie wieder Krieg und nie wieder Faschismus!“ zu Aktionen aufrief.

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